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Buchtipp: Disrupt Yourself

  • Autorenbild: Tomas Jiskra
    Tomas Jiskra
  • 14. Nov. 2021
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 23. Feb. 2022


47% der Arbeitsplätze sind laut einer Studie des deutsch-schwedischen Wirtschaftshistorikers Carl Benedikt Frey aus dem Jahr 2013 in Gefahr durch die „Computersierung“ zu verschwinden. Eine Zahl, die wohl jeden, der sich mit dem Thema Arbeit, Zukunft, Innovation und Technologie beschäftigt, beeindruckt. Für den Autor des Buches Christoph Keese, deutscher Journalist und Digitalisierungsexperte, eine eindrucksvolle Zahl die zeigt, auch wenn sie möglicherweise etwas zu hoch ist, dass der digitale Wandel alle Menschen betrifft.


Im Buch führt der Autor mit Personen Interviews, die auf der einen Seite mit einer hohen Wahrscheinlichkeit vom digitalen Wandel gefährdet sind, den Job zu verlieren, und auf der anderen Seite diesen geprägt haben. Der große Teil der Gesprächspartner deren Berufsbild durch die Digitalisierung möglicherweise verschwinden könnte, fühlen sich persönlich angegriffen. Nur ganz wenige erkennen Chancen, die sich durch den Wandel ergeben können. Vor allem in der aktuellen Situation in Deutschland, wo fast jede Branche händeringend nach Mitarbeitern sucht, kann man es nicht nachvollziehen, dass Berufe deshalb verschwinden könnten, weil Roboter, Computer oder KI sie ersetzen. Angestellte fühlen sich oft in einer sicheren Position, da sie gerne die Verantwortung auf ihre Vorgesetzten bzw. an das Management abgeben. Diese können oft die Erwartungen aber nicht erfüllen.


Christoph Keese erläutert die psychologischen Aspekte, warum Menschen den digitalen Wandel ablehnen oder leugnen. Warum haben wir so Angst vor Veränderungen und wehren uns damit fast vor diesen? Ein ganz wichtiger psychologischer Ansatz ist das direkte Gespräch. Gefühle lassen sich nicht unterdrücken, aber durch persönliche Gespräche kann man Ängste abschwächen oder ausräumen. Es benötigt Verständnis um gemeinsam z.B. im Verhältnis Vorgesetzter-Arbeitnehmer mehr Bereitschaft zum digitalen Wandel erzielen zu können. Entscheider müssen wissen, warum ein Mitarbeiter Angst vor der Veränderung hat. Doch auch viele Unternehmen kennen dieses Gefühl. Nikita Fahrenholz, Mitgründer von Delivery Hero, schildert seinen Umgang mit Angst und wie diese ihn auch bei Entscheidungen geholfen hat. Und damit auch ein wesentlicher Baustein für seinen unternehmerischen Erfolg ist.


Viele Disruptoren haben ein gesteigertes Selbstbewusstsein und keine Angst vor beruflichen Risiken. Das ist meist auf ein traumatisches Erlebnis in ihrem Leben zurückzuführen. Ein spannendes Beispiel ist Florian Bankoley, der sich vom Flüchtlingskind zum Leiter der IT der Automobilsparte bei Bosch hochgearbeitet hat. Aber: Niemand wird als großer Veränderer geboren, nur wird durch ein gesteigertes Selbstbewusstsein diese Rolle erleichtert.


Der Autor schildert in mehreren Kapiteln seinen persönlichen Wandel vom klassischen Journalisten hin zum Digitalisierungsspezialisten. Und wie der Leser daraus lernen und für sich Erneuerung bewirken kann. Für Keese ist klar, dass nicht der Beruf uns als Menschen ausmacht, sondern unsere Fähigkeiten. Man kann laut seiner Einschätzung zwischen Berufen wählen, auch später im Leben und nicht nur als junger Mensch. Narrative sind für uns essentiell und diese zeigen, dass wir Menschen den disruptiven Wandel überleben und mitgestalten können.


Warum sind wir eigentlich so empfänglich für das Thema Disruption? Keese erklärt anhand eines Einkaufes in einem Supermarkt wie viel wertvolle Zeit man mit Tätigkeiten im Umfeld vergeudet, die man eigentlich sinnvoller Nutzen könnte. Nämlich, dass man bei einem Einkauf fünfmal mehr Zeit mit Tätigkeiten rundherum verbringt, wie z.B. Autofahren, bezahlen, einräumen. Im Durchschnitt steht jeder Deutsche 15 Minuten pro Woche an der Kasse in einem Geschäft und wartet. In Europa sind die Entwicklungen zu langsam. In asiatischen und amerikanischen Geschäften gibt es teilweise Chips an den Produkten, die automatisch beim Verlassen mittels automatisierter Kassa den Einkauf verrechnen.


Kesse skizziert weitere sehr interessante Fallbeispiele, wie Unternehmen sich permanent selbst hinterfragen können - und am Ende vielleicht sogar müssen - um in Zukunft erfolgreich sein zu können.


Das Buch ist nicht nur sehr spannend geschrieben sondern durch die vielen Gespräche auch unterhaltsam.


Herausgeber: Penguin Verlag (24. September 2018)

Sprache: Deutsch

Gebundene Ausgabe:‎ 288 Seiten

ISBN-10:‎ 3328600337

ISBN-13: ‎978-3328600336


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